
Wenn der Alltag schwerfällt, aber das Zuhause bleibt
Vielleicht kennen Sie das: Ein geliebter Mensch wird älter, und plötzlich geht vieles nicht mehr allein. Das Anziehen dauert ewig, Treppen werden zur Hürde, das Kochen zur Gefahr. Doch der Wunsch bleibt: im vertrauten Zuhause bleiben, dort, wo Fotos an den Wänden hängen und der Lieblingssessel wartet.
Die sogenannte Rund-um-die-Uhr-Betreuung ist für viele Familien ein Weg, genau das zu ermöglichen. Sie verbindet Fürsorge mit Vertrautheit – und schenkt nicht nur Unterstützung, sondern auch Sicherheit, Nähe und Alltag.
Was genau ist 24-Stunden-Pflege?
Der Begriff ist etwas irreführend: Gemeint ist keine Betreuung rund um die Uhr ohne Pause, sondern eine Betreuungskraft, die im Haushalt der pflegebedürftigen Person wohnt. Sie ist tagsüber aktiv, nachts in Rufbereitschaft und unterstützt bei allem, was im Alltag schwerfällt – liebevoll, engagiert und menschlich.
Typische Aufgaben einer Betreuungskraft
Was genau geleistet wird, hängt vom Bedarf ab – aber oft gehören dazu:
- Hilfe bei der Körperpflege
- Unterstützung beim Gehen, Aufstehen, Hinlegen
- Kochen, Einkaufen, Haushalt
- Begleitung bei Arztbesuchen oder Spaziergängen
- Zuwendung, Gespräche, Gesellschaft
Viele Betreuungskräfte übernehmen außerdem die Organisation des Alltags – sie erinnern an Medikamente, sorgen für regelmäßige Mahlzeiten und geben dem Tag Struktur.
Ein Beispiel aus der Praxis
Frau Schneider ist 84 Jahre alt und lebt allein in ihrem Haus in Bayern. Nach einem Oberschenkelhalsbruch wurde klar: Ohne Hilfe geht es nicht mehr. Seitdem wohnt Joanna, eine Pflegekraft aus Polen, bei ihr. Sie kochen gemeinsam, schauen abends Nachrichten – und wenn in der Nacht etwas ist, ist Joanna da. Für Frau Schneider bedeutet das: keine Angst mehr, keine Einsamkeit. Für ihre Tochter: Entlastung und Beruhigung.
Woher kommen die Betreuungskräfte?
Viele Pflegekräfte stammen aus Osteuropa, insbesondere aus Polen, Rumänien oder Bulgarien. Sie werden von spezialisierten Agenturen vermittelt oder privat angestellt. Wichtig: Die rechtliche Grundlage muss stimmen – sonst drohen Bußgelder oder Scheinselbstständigkeit.
Modelle im Überblick:
- Entsendung über Agentur: Die Pflegekraft ist im Herkunftsland angestellt und wird für die Dauer des Einsatzes nach Deutschland entsendet (mit A1-Bescheinigung).
- Private Anstellung: Sie selbst werden Arbeitgeber und kümmern sich um Lohn, Anmeldung, Versicherungen.
- Selbstständige Pflegekraft: Nur selten rechtlich einwandfrei – hier ist Vorsicht geboten.
Was kostet eine 24-Stunden-Pflege?
Das hängt vom Modell, der Agentur und der Erfahrung der Pflegekraft ab – in der Regel liegt der monatliche Betrag bei etwa 2.000 bis 4.000 Euro. Darin enthalten sind:
- Gehalt der Betreuungskraft
- Vermittlungsgebühr (bei Agentur)
- Reisekosten
- Kost und Logis im Haushalt
Welche Unterstützung gibt es?
Ganz alleine muss man die Kosten nicht stemmen. Es gibt mehrere Wege der finanziellen Entlastung:
- Pflegegeld: je nach Pflegegrad (z. B. 728 € bei Pflegegrad 4)
- Entlastungsbetrag: 125 € monatlich für haushaltsnahe Hilfen
- Steuerliche Absetzbarkeit: bis zu 4.000 € pro Jahr
- Hilfe zur Pflege: über das Sozialamt bei geringem Einkommen
Worauf sollten Sie achten?
Vertrauen ist alles. Achten Sie bei der Auswahl auf:
- Sprachkenntnisse der Betreuungskraft
- Empathie und Erfahrung im Umgang mit älteren Menschen
- Rechtlich saubere Vermittlung (A1-Bescheinigung, Vertrag, Mindestlohn)
- Eine gute persönliche Passung – Chemie zählt
- Vertretung bei Urlaub oder Krankheit
Vorteile der 24-Stunden-Pflege
- Verbleib im gewohnten Zuhause
- Individuelle Betreuung, abgestimmt auf persönliche Bedürfnisse
- Entlastung für Angehörige
- Soziale Nähe, kein Alleinsein
- Rituale und Alltag bleiben erhalten
Aber auch das sollte man wissen
Nicht alles ist ideal. Pflegekräfte brauchen auch ihre Pausen. Sprachliche oder kulturelle Unterschiede können anfangs herausfordern. Und: Es ist eine intensive Lebensgemeinschaft – für beide Seiten.
Fazit: Eine würdevolle Alternative zum Pflegeheim
Die 24-Stunden-Pflege ist weit mehr als ein Dienstleistungsmodell. Sie ist eine Lebensform, die Nähe schafft – und die einem Menschen das vielleicht Wertvollste zurückgibt: das Gefühl, zu Hause zu sein. Wenn Sie die passende Betreuungskraft finden und die Rahmenbedingungen stimmen, kann daraus eine Beziehung entstehen, die mehr ist als nur Hilfe. Sondern echte Fürsorge.
Foto: Matthias Koch/KI

Examinierter Altenpfleger und Blogger aus Leidenschaft. Betreiber von Altenpflege.team und weiteren Blogs für Verbraucher und zum Thema Nachhaltigkeit.






