
Ein Leben zwischen Schläuchen, Geräten – und Hoffnung
Was passiert, wenn das Herz nicht mehr regelmäßig schlägt? Wenn das Atmen zur Herausforderung wird? Oder wenn ein geliebter Mensch nach einem Schlaganfall kaum noch auf äußere Reize reagiert? Dann reicht eine klassische Pflege oft nicht mehr aus. Dann braucht es Intensivpflege – eine Form der Betreuung, die über das Alltägliche hinausgeht.
Viele ältere Menschen erleben schwere gesundheitliche Krisen. Doch auch mit schwersten Einschränkungen ist ein würdevolles Leben möglich – wenn die medizinische Versorgung stimmt. Die Intensivpflege schafft genau das.
Was ist Intensivpflege – und für wen?
Intensivpflege bedeutet nicht nur Pflege, sondern medizinische Überwachung auf höchstem Niveau – oft Tag und Nacht. Sie richtet sich an Menschen, deren Leben ohne technische Unterstützung und fachliche Betreuung gefährdet wäre.
Typische Fälle im Alter:
- Beatmungspflicht nach Lungenerkrankung oder Unfall
- Schwere neurologische Erkrankungen wie ALS oder Parkinson im Endstadium
- Zustände nach Schlaganfall oder Herzstillstand mit Wachkoma
- Menschen mit Tracheostoma oder Dauerkatheter
Hier geht es nicht mehr nur um Waschen und Essen – sondern darum, die Atmung zu sichern, das Herz zu überwachen, Komplikationen zu verhindern.
Wo findet Intensivpflege statt?
1. Im eigenen Zuhause
Viele Menschen wünschen sich: Ich will nicht ins Heim, nicht ins Krankenhaus. Die gute Nachricht: Auch schwerkranke Menschen können zu Hause versorgt werden – mit Hilfe von speziell ausgebildeten Intensivpflegekräften, die im Schichtsystem arbeiten.
2. In Intensivpflege-Wohngemeinschaften
Eine Alternative zur Einzelversorgung sind sogenannte Intensivpflege-WGs. Hier leben mehrere Betroffene in einer häuslichen Umgebung zusammen – mit Fachpersonal vor Ort.
3. In stationären Einrichtungen
Manche Pflegeheime bieten eigene Intensivpflegebereiche oder arbeiten mit Kliniken zusammen – besonders bei komplexen Krankheitsbildern.
Wer übernimmt die Pflege – und was können sie leisten?
In der Intensivpflege reicht ein Pflegedienst von nebenan nicht aus. Hier sind Pflegefachkräfte im Einsatz, die zusätzlich geschult sind – etwa in Beatmungspflege, Krisenintervention oder Tracheostomapflege.
Typische Aufgaben:
- Überwachung von Puls, Atmung, Blutdruck, Sauerstoffsättigung
- Bedienung und Kontrolle von Beatmungsgeräten
- Pflege von Wunden, Kathetern und Kanülen
- Hygienemanagement und Notfallmaßnahmen
- Begleitung bei medizinischen Eingriffen und Arztvisiten
Doch so wichtig Technik auch ist – oft sind es die leisen Gesten, die zählen: eine Hand, die gehalten wird, ein ruhiges Wort in der Nacht, das Gefühl, nicht allein zu sein.
Wie wird Intensivpflege finanziert?
Die Finanzierung ist komplex – aber möglich.
- Krankenkasse: Übernimmt die medizinisch notwendige Behandlungspflege (z. B. Beatmung, Absaugung, Monitoring)
- Pflegeversicherung: Ergänzt bei anerkanntem Pflegegrad mit Pflegegeld oder Sachleistungen
- Sozialamt: Tritt ein, wenn Einkommen und Vermögen nicht ausreichen
- Steuerliche Entlastung: Teile der Kosten sind absetzbar
Wichtig: Alle Maßnahmen müssen ärztlich verordnet und von der Krankenkasse genehmigt sein. Pflegestützpunkte helfen bei der Antragstellung.
Ein Fall aus dem Leben
Herr M. erlitt mit 76 einen schweren Schlaganfall. Seitdem ist er halbseitig gelähmt, wird über eine Magensonde ernährt und atmet zeitweise über ein Beatmungsgerät. Früher war er Ingenieur – heute liegt er in seinem Wohnzimmer in einem Pflegebett. Aber er ist zu Hause, bei seiner Frau, mit Blick auf den Garten. Zwei Fachpflegekräfte wechseln sich rund um die Uhr ab. Es ist nicht leicht – aber es ist sein Leben. Und es ist lebenswert.
Was Angehörige wissen sollten
Intensivpflege ist auch für Sie als Angehörige eine Herausforderung. Sie werden zum Koordinator, zum Mitpfleger, manchmal auch zur emotionalen Stütze. Doch Sie müssen nicht alles allein tragen.
Holen Sie sich Unterstützung:
- Pflegestützpunkte bieten kostenlose Beratung
- Selbsthilfegruppen bringen Austausch mit anderen Betroffenen
- Rechtliche Betreuung, Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht sollten frühzeitig geklärt sein
Vorteile und Herausforderungen der Intensivpflege
Vorteile:
- Möglichkeit, im vertrauten Umfeld zu bleiben
- Individuelle Versorgung durch qualifiziertes Personal
- Einbindung von Angehörigen in die Pflege
- Würde, Selbstbestimmung und Lebensqualität trotz schwerer Erkrankung
Herausforderungen:
- Hoher organisatorischer Aufwand
- Finanzielle Belastung
- Emotionale Belastung für Familie
- Abhängigkeit von gutem Pflegepersonal
Fazit: Intensivpflege ist mehr als Technik – sie ist Menschlichkeit in Extremsituationen
Intensivpflege im Alter ist kein einfacher Weg. Aber für viele ist es der einzig richtige. Sie gibt schwerkranken Menschen nicht nur medizinische Sicherheit – sondern auch das Gefühl, gesehen zu werden. Als Mensch, nicht als Fall. Mit ihren Ängsten, Bedürfnissen, Hoffnungen.
Wenn Sie sich auf diesen Weg machen, brauchen Sie Informationen, Geduld – und Mitgefühl. Aber Sie sind nicht allein. Es gibt Unterstützung. Und es gibt Hoffnung.
Bild: Matthias Koch/KI

Examinierter Altenpfleger und Blogger aus Leidenschaft. Betreiber von Altenpflege.team und weiteren Blogs für Verbraucher und zum Thema Nachhaltigkeit.






