Demente Menschen aktivieren und beschäftigen

Wir alle haben das natürliche Bedürfnis, uns zu beschäftigen. Versuchen Sie doch mal, längere Zeit sitzend auf einem Stuhl zu verbringen – ohne laufenden Fernseher, ohne Radio, ohne Handy! Sie schauen dabei bestenfalls aus dem Fenster oder auf eine nicht gerade interessante Wand. Wie lange halten Sie das aus? Früher oder später werden Sie unruhig bzw sie nicken ein. Stellen Sie sich vor, Sie müssten das JEDEN Tag über mehrere Stunden machen. Den Rest der Zeit verbringen Sie mit essen und schlafen. Je nach körperlicher und seelischer Verfassung werden Ihre kognitiven (Wahrnehmen, Denken, Erkennen) und psychomotorischen (Bewegung) Fähigkeiten nach und nach abbauen.

Bei dementen Menschen im fortgeschrittenen Stadium sind diese Fähigkeiten schon stark eingeschränkt und können meist nur noch von außen gefordert und gefördert werden, weil der Demente selbst darauf nicht mehr zugreifen kann. Desto weniger die „schlummernde“ Kognitivität und Psychomotorik „aktiviert“ wird, desto weiter zieht sich der Erkrankte in sich selbst zurück. Entweder sitzt er nur noch abwesend herum, läuft hin und her oder wird gar agressiv.

Wenn Du Menschen mit Demenz nicht beschäftigst, beschäftigen sie Dich

Natürlich ist es absolut nicht im Sinne der Dementen, wenn sie einfach „abgestellt“ oder „ruhig gestellt“ werden! Es gibt Ärzte, die einfach entsprechende Psychopharmaka verschreiben, mit denen Angehörige bzw die Pflegeeinrichtungen „weniger Stress“ mit demenzerkrankten Menschen haben. Diese vegetieren dann bei entsprechend hoher Dosierung als „leere Menschenhüllen“ bzw „Zombies“ im Bett herum und werden gepflegt, bis die Organe irgendwann komplett versagen. Wenn auf solch menschenunwürdige Maßnahmen verzichtet wird, können die Erkrankten ihre Pfleger natürlich gewaltig auf Trab halten. Um dem vorzubeugen, sollten an Demenz erkrankte Menschen regelmäßig beschäftigt werden.

Beschäftigung birgt große Vorteile:

Schutz vor Einsamkeit
Reaktivierung von vertrauten Handlungen (Singen, Backen…)
Trainieren noch vorhandener Fähigkeiten
Struktur im Alltag
Gute Laune, Abwechslung und Lebensfreude
Stärkung des Selbstvertrauens des Betroffenen

Wichtige Regeln für die Beschäftigung bei Demenz:

Damit eine Beschäftigung ihr Ziel nicht verfehlt und weder der erkrankte Mensch noch Sie selbst die Lust verlieren, sollten folgende Regeln dringend beachtet werden.

Stadium der Demenz beachten!
Wie weit ist die Demenz schon fortgeschritten? Was kann der Betroffene noch und was schon nicht mehr?

Persönliche Vorlieben und Abneigungen berücksichtigen!
Beschäftigung soll Spaß machen. Nicht alle Menschen basteln gerne und nicht alle älteren Frauen möchten stricken.

Entscheidungen des Demenzkranken akzeptieren!
Wenn der Erkrankte gerade nicht beschäftigt werden möchte, dann lassen Sie das zu. Vielleicht möchte er Ihnen einfach nur zuschauen oder etwas vorgelesen bekommen.

Wenn der Erkrankte seine Lieblingsbeschäftigung auf einmal ablehnt, akzeptieren Sie das bitte!
Vielleicht hat er einfach mal Lust auf etwas Neues.

Fehler unbedingt tolerieren!
Wenn etwas mal nicht klappt, bleiben Sie ruhig und schimpfen Sie nicht! Drängen Sie auch niemals auf eine Wiederholung oder das Erreichen von Zielen.

Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen folgendes sagen: bei der Beschäftigung von Dementen bekommt man als Pflegende(r) eine Menge zurück! Mir persönlich geht das Herz auf, wenn jemand mich freudig anlächelt, der zuvor nur abwesend aus dem Fenster geschaut hat. Sie können mit ganz einfachen Mitteln sehr viel erreichen. Beginnen Sie beispielsweise mit einem aufgeblasenen Luftballon, den Sie dem dementen Menschen zuspielen. Sie werden sich wahrscheinlich wundern, wie gut und schnell derjenige noch reagieren kann. Nehmen Sie sich Zeit und probieren Sie es einfach mal aus!

Weitere interessante Informationen und Hilfestellungen finden Sie auch bei der Deutschen Alzheimergesellschaft e.V..

Buchtipp zum Thema Demenz:

Das Herz wird nicht dement

Das Herz wird nicht dement

Taschenbuch – 16. Februar 2017
von Udo Baer und Gabi Schotte-Lange

Der rücksichtsvolle, warmherzige und verständliche Ratgeber für Pflegende und Angehörige.

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