Gehälter in der Altenpflege steigen stärker als in anderen Berufen

Juhuuu! Endlich ist es soweit! Die Gehälter in der Altenpflege STEIGEN! Und zwar sogar stärker als in anderen Berufen! Bevor jetzt jemand denkt, ich hätte einen über den Durst getrunken oder unser Altenpflege-Blog wäre zu einer Satireseite mutiert… einfach mal ganz ruhig bleiben und den Artikel bis zum Schluss lesen. Es sei vorab angemerkt, das der Verfasser dieses Artikels selbst in der Altenpflege arbeitet 🙂

Heute gab’s die neuen Zahlen im Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit zu den „Medianentgelten“ sozialversicherungspflichtiger Beschäftigter. Und dazu hat der bpa Arbeitgeberpräsident Rainer Brüderle gleich ein paar nette Sätze via Pressemitteilung rausgehauen:

Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit sind für die Altenpflege erfreulich. Von 2015 auf 2016 ist das Medianentgelt für eine Fachkraft in der Altenpflege um 2,5 Prozent auf 2.621 Euro gestiegen. Betrachtet man die Entwicklung bei allen Berufen so ist dort nur ein Anstieg von 1,59 Prozent zu verzeichnen. Sehr erfreulich ist die Entwicklung in den neuen Bundesländern, dort sind die Löhne in der Altenpflege zwischen 4,0 und 5,64 Prozent innerhalb eines Jahres angestiegen.

Es wäre schön, wenn die Politik zur Kenntnis nehmen würde, dass sich die Löhne in der Altenpflege positiv entwickeln. Das ständige Gerede von schlechten Arbeitsbedingungen trägt nicht zu einem attraktiven Berufsbild bei. Es wäre besser, endlich mehr über die Chancen und Möglichkeiten in der Altenpflege zu sprechen. Deutlich steigende Löhne wären zum Beispiel schon einmal ein positives Thema.“

So weit so schön ähem lustig… oder auch nicht so lustig. Wenn man das Ganze nämlich mal näher beleuchtet, ist es NATÜRLICH nicht ganz so berauschend. Wer hätte das gedacht? Haha… 😉

Der Herr Brüderle ist 72 Jahre jung, FDP-Mitglied und war mal von 2009 bis 2011 unser Bundeswirtschaftsminister. Und ehemalige Politiker sind in Deutschland ja ziemlich rastlos und müssen auch nach dem Ausscheiden aus offiziellen Ämtern immer noch was zu tun haben. Da bildet Rainer Brüderle natürlich keine Ausnahme. Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) hat im Juni 2015 einen neuen Arbeitgeberverband für die private Pflegewirtschaft gegründet und wer wurde der Vorsitzende? RICHTIG! Der Brüderle.

Alles ist so wunderbar und gerecht…

Der BPA hat übrigens mal mit einer Plakataktion in Hessen auf sich aufmerksam gemacht, wo er z.B. das Entgelt für eine Körperpflege mit dem Preis für eine Autowäsche verglichen hat. OK ich schweife ab. Es ist eben ein Verband der ARBEITGEBER. Und dazu auch noch der PRIVATEN Arbeitgeber. Und was die so zahlen, findet sich meistens ja am unteren Ende der Durchschnittsgehalts-Skala… Naja und genau dieser Verband muss nun kurz vor der Bundestagswahl in die Welt hinausschreien, dass doch die Politiker nicht immer von den schlechten Arbeitsbedingungen in der Pflege reden sollen. Nein! Sie sollen Freude verbreiten! Freude über die tolle Bezahlung in der Altenpflege!

Am Ende kann es den Beschäftigten in der Pflege eigentlich eh egal sein, über WAS wie geredet wird – es wird ja eh wieder NUR geredet und nichts bewegt. Deutsche Politik vor der Wahl. Business as usual. Aber zurück zum Entgeltatlas und das RASANT gestiegene Gehalt in der Pflegebranche.

Das Durchschnittsgehalt einer Pflegefachkraft in Deutschland liegt bei 2621,00 Euro brutto!

Satte 2621 Euro brutto… Eine Fachkraft für Lagerlogistik bekommt übrigens im Schnitt 40 Euro mehr (2662 brutto). Es sei ihr natürlich gegönnt… Von diesen 2621 Euro bleiben dann je nach Bundesland, Steuerklasse, Anzahl der Kinder, trallala ca. 1600 – 1700 Euro netto übrig. Das Durchschnittsgehalt für Vollbeschäftigte in Deutschland liegt übrigens bei etwas über 3000 Euro brutto. Am wenigsten verdienen übrigens die Pflegekräfte in Sachsen-Anhalt mit 1985 Euro brutto(!). Am meisten gibt’s in Baden-Würtemberg mit 2935 Euro brutto. Da ist ja echt kaum Gefälle drin… 😉 Apropos Gefälle: wenn wir mal von Hamburg absehen (2806 €), haben die nördlichen und östlichen Bundesländer (natürlich) mal wieder das Nachsehen. Hier gibt’s für den harten Job gerade mal zwischen 1985 (das bereits erwähnte „Schlusslicht“ Sachsen-Anhalt) und 2533 Euro (Schleswig-Holstein). Unterhalb von Niedersachsen und Thüringen geht’s von 2631 bis 2935 Euro (der bereits erwähnte „Spitzenreiter“ Baden-Würtemberg).

1700 netto für den harten Job – viel Geld?!

Mal ganz abgesehen davon, dass wir uns alle wohl darauf einigen können, dass ein Durchschnitt von ca. 1700 Euro netto nicht wirklich üppig bemessen ist, wenn man den harten Job mit seinen 12-Tage-am-Stück- und Teildiensten sieht, schauen wir doch mal auf die anderen Berufe, deren Gehälter im Vergleich nicht so exorbitant in die Höhe geschossen sind. Warum denn bloß? Weil sie entweder schon länger höher SIND (als in der Pflege), oder einfach absolut NICHT mit den Jobs in der Pflege vergleichbar sind. Thema „Äpfel und Birnen“… Die beiden Früchte will ich also mal außen vor lassen und gleichwertige Berufe vergleichen. Eine Fachkrankenschwester oder ein Fachkrankenpfleger verdienen in Deutschland im Schnitt 3621 Euro brutto!

Hmm… da muss ich in der Altenpflege schon zur Pflegedienstleitung aufsteigen, um da ran zu kommen… Nochmal zur Erinnerung: Altenpflegefachkräfte kommen auf 2621 Euro. Gerade mal läppische 1000 Euro Differenz (Ironie aus). Aber warum? OK ich persönlich arbeite echt lieber im Altenheim als in der Notaufnahme eines Krankenhauses. Aber die beruflichen Anforderungen sind wirklich nicht mehr gar so unterschiedlich. Examinierte Altenpfleger gehen schon lange nicht mehr nur mit Bewohnern aufs Klo und spielen danach mit ihnen „Mensch ärgere Dich nicht“… Die Zeiten haben sich gewandelt und da können auch ruhig mal die Gehälter (mehr als woanders) steigen! Vom wirklich gerechten Lohn sind wir trotzdem noch gaaaaaaanz weit entfernt Herr Brüderle… und wenn wir den bekommen, dann freuen wir uns. Alle. Gemeinsam. 😉 Außer ich. Ich bin da schon (lange) in Rente.

Durchschnittsgehälter in der Pflege in Deutschland

Wer gern nochmal selbst gucken will, was andere so verdienen:
Zum Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit

Quellen: Pressemitteilung bpa Arbeitgeberverband (28.08.17, 14:40) und Bundesagentur für Arbeit

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