Pflegebedürftig - und jetzt?

Laut einer Statistik aus dem Jahr 2015 werden in Deutschland 71% (oder 1,86 Millionen) pflegebedürftige Menschen zu Hause versorgt. Knapp zwei Drittel davon allein durch Angehörige ohne die Inanspruchnahme von z.B. mobilen Pflegediensten. Nicht selten stoßen die Kinder oder andere Verwandte des zu pflegenden dabei an ihre physischen und psychischen Grenzen oder werden durch die Überlastung gar selbst krank. Die meisten wollen sich einfach nicht eingestehen, dass irgendwann eine Grenze erreicht ist, wo Angehörige und auch Pflegebedürftige ohne fremde Hilfe Schaden nehmen können.

Informieren & testen sind das A und O!

Und dabei gibt es in Deutschland für pflegebedürftige Menschen mittlerweile eine Vielzahl unterschiedlichster Angebote. Leider geistern bei vielen Leuten immer noch vorwiegend die unschönen Bilder diverser Medienberichte im Kopf herum. Natürlich gibt es bei mobilen Pflegediensten wie auch bei stationären Einrichtungen nach wie vor schwarze Schafe. Diese kann man aber meist relativ einfach erkennen, wenn man sie vorher eingehend unter die Lupe nimmt. Wie genau, das verrät z.B. das sehr informative Buch „Der Pflegeaufstand“ von Armin Rieger.

Wer sich zunächst erstmal nur eine Auszeit von der Pflege seines Vaters oder seiner Mutter nehmen möchte, kann die Kurzzeitpflege eines Seniorenheimes seines Vertrauens in Anspruch nehmen und sich so einige Wochen Erholung gönnen sowie neue Kraft sammeln. Wenn dann die Energie bereits nach kurzer Zeit wieder aufgebraucht ist, sollte ernsthaft über Hilfe nachgedacht werden.

Alles hat seine Vor- und Nachteile

Was dabei genau in Frage kommt, muss vorher in Ruhe abgewägt werden. Alle Möglichkeiten haben natürlich auch ihre Vor- und Nachteile. Eine gut ausgebildete 24h-Betreuungskraft aus Osteuropa beispielsweise steht zwar rund um die Uhr zur Verfügung, die Kosten müssen allerdings zum Großteil selbst getragen werden. Das monatliche Pflegegeld von z.B. 545 Euro bei Pflegegrad 3 reicht zur Bezahlung der Pflegekraft bei weitem nicht aus. Hier muss mit ca. 1.800 – 2.500 Euro pro Monat kalkuliert werden. Zudem ist es sinnvoll, der Kraft auch Wohnraum im Haus des zu pflegenden Menschen zur Verfügung zu stellen, damit diese wirklich immer schnell vor Ort sein kann.

Ein mobiler Pflegedienst hingegen wird von der Kasse bis maximal 1.298 Euro pro Monat im Rahmen der Pflegesachleistungen übernommen. Die Kosten für einen stationären Heimplatz variieren von Einrichtung zu Einrichtung. Eine Zuzahlung durch den Pflegebedürftigen bzw das Sozialamt oder ggf. die nächsten Angehörigen ist leider fast nie zu vermeiden. Lassen Sie sich dazu einfach mal kostenlos und unverbindlich von Anbietern in Ihrer Nähe beraten.

Mein Tipp: gehen Sie einfach mal (unangemeldet) vormittags (so ab 9 Uhr bis max. 11.30 Uhr) in eine Einrichtung in Ihrer Nähe und fragen Sie freundlich an der Rezeption, ob Sie sich das Heim mal kurz anschauen dürfen. Wenn nichts zu verbergen ist, lässt man Sie sich gern unter Begleitung mal umschauen. Folgt auf Ihre Bitte eine negative Reaktion, sollten Sie die entsprechende Einrichtung von der Liste streichen und die nächste ansteuern. Achten Sie bei Ihrem Besuch auch genau auf Bewohner und Personal. Wie ist der Ton? Wird auch mal gelacht? Lassen Sie sich übrigens nicht direkt von unangenehmen Gerüchen abschrecken. Die gehören im gewissen Rahmen dazu…

Sie haben noch spezielle Fragen?

Nutzen Sie die telefonische Beratung und schnelle Hilfe für Angehörige beim Pflegetelefon des Bundesfamilienministeriums:

030 – 201 791 31

Hier erhalten Sie von Montag bis Donnerstag zwischen 9.00 und 18.00 Uhr oder per E-Mail unter info@wege-zur-pflege.de kompetente Hilfe durch geschulte Fachleute.

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