Wie gehe ich richtig mit Blinden um?

Am Dienstag schreiben wir in der Altenpflegeschule einen Test, in dem es unter anderem um den richtigen Umgang mit Blinden geht. Mit Blinden hatte ich bis jetzt eigentlich noch nicht wirklich viel zu tun. In Deutschland gibt es (geschätzt) derzeit etwa 150.000 blinde und 500.000 sehbehinderte Menschen. Die Wahrscheinlichkeit, als Pflegekraft oder auch privat auf jemanden zu treffen, der nur sehr schlecht oder gar nicht mehr sehen kann, ist also nicht gerade niedrig…

Wann spricht man von Blindheit?

Laut Definition nach deutschem Recht ist jemand sehbehindert, wenn er selbst mit Brille oder Kontaktlinsen nicht mehr als 30 % von dem sieht, was ein „normal sehender“ Mensch erkennt (Sehrest ≤ 30 %). Liegt diese Sehkraft bei weniger als 5 %, ist derjenige hochgradig sehbehindert (Sehrest ≤ 5 %). Bei nicht mehr als 2 % wird die betreffende Person als blind eingestuft (Sehrest ≤ 2 %).

Was ist im Umgang mit Blinden zu beachten?

Eins mal vorweg: Blinde sind vollwertige, mündige Bürger mit Rechten und Gefühlen. Sie sind Menschen „wie Du und ich“! Sie können einfach nur nichts sehen. Jeder „Sehende“ sollte sie also bitte behandeln wie „normale“ Menschen auch. Niemand möchte ausgegrenzt, über die Maßen bemitleidet oder übertrieben mit Samthandschuhen angefasst werden.

Nicht sehen trennt von den Dingen,
nicht hören trennt von den Menschen.

Immanuel Kant (deutscher Philosoph 1724 – 1804)

Ich habe hier mal stichpunktartig ein paar Tipps zusammengetragen:

Bieten Sie betroffenen Personen Ihre Hilfe immer erst vorher mündlich an! Niemand möchte einfach so angefasst werden.

Wenn Sie blinde oder stark sehbehinderte Menschen begleiten, laufen Sie ihnen nicht hinterher! Die betroffene Person würde sich genauso wie jeder Sehende verfolgt fühlen! Gehen Sie lieber einen Schritt vorneweg und lassen Sie dabei den Blinden Ihren Ellenbogen anfassen.

Kommunizieren Sie klar, verständlich und präzise mit Sehbehinderten! Z.B. „Der Stuhl steht auf 9 Uhr 2 Meter vor Dir.“ Sprechen Sie nicht zu laut – Blinde hören sehr gut!

Achten Sie darauf, dass es im Zimmer des Blinden keine Stolperfallen gibt. Lassen Sie dort alles, so wie es ist. Wenn Sie etwas verändern, findet sich derjenige ggf. nicht mehr zurecht und muss sich neu orientieren. Offen stehende Türen bleiben offen. Wenn Sie also z.B. das Bad eines Sehbehinderten benutzt haben, achten Sie darauf, dass Sie die Tür danach wieder öffnen.

Kündigen Sie Bewegungen vorher an. Der blinde Mensch kann weder erahnen noch sehen, dass Sie sich bewegen!

Werden Sie für den Blinden „das Auge zur Welt“. Beschreiben Sie z.B. bei einem gemeinsamen Spaziergang die Umgebung in möglichst bildgewaltiger Sprache. Also NICHT: „Der Himmel ist blau. In 5m kommt ’ne Ampel.“ SONDERN: „Der Himmel ist Blau. Es ist nicht eine Wolke zu sehen. Der Weg ist umgeben von Eichen, die sattgrüne Blätter tragen. Wollen wir in 5m kurz anhalten? Da blühen etwa 30 gelbe und orangene Tulpen. Das duftet so wunderbar.“

Weitere Infos finden sich auch auf den Webseiten folgender Vereine:

Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V.       Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V.

Bildquelle: Friese, DBSV – Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V.

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