Mit einer App den Pflegealltag leichter meistern?

Ist ein Angehöriger plötzlich auf Hilfe angewiesen, stürzt eine Menge auf einen ein. Wer übernimmt die Fürsorge, was für Geldleistungen stehen dem Pflegebedürftigen und seinen pflegenden Verwandten zu, wo werden die Gelder beantragt, schafft man, die Pflege selbst zu übernehmen und wie kann der eigene Beruf mit der Betreuung in Einklang gebracht werden? Besonders berufstätige Angehörige sind auf Mithilfe angewiesen, entweder von anderen Familienmitgliedern oder von Nachbarn und Freunden. Einen Pflegeplan zu erstellen und einzuhalten kann schwierig werden, je nach Anzahl der unterschiedlichen Pflegepersonen. Können Apps heutzutage bei der häuslichen Pflege helfen und was können solche Apps zusätzlich leisten?

Das sollte eine gute Pflege-App ausmachen

Damit die App für die pflegenden Personen einen Nutzen hat, ist es unumgänglich, dass die App aus Deutschland kommt und darin enthaltenen Informationen auch für Deutschland gelten. Bei der Sprache empfiehlt sich Deutsch, denn Übersetzungen sind meistens katastrophal. Um auf dem aktuellsten Stand zu sein, darf das letzte Update nicht länger als ein Jahr her sein. Optimal wäre eine vollständig kostenlose App.

Im Dienst enthalten sein sollten Pflegevideos und Anleitungen, die in verschiedenen Situationen Hilfestellung geben. Antworten zu Unterstützungshilfen der Pflegeversicherung sind ebenso wünschenswert wie zu Angeboten, die die Pflegepersonen entlasten. Eine Checkliste für unterschiedliche Bereiche, beispielsweise Krankenhausaufenthalt, würde den Angehörigen Arbeit abnehmen und Nerven schonen.

Wo finden Familienmitglieder Pflege-Apps?

Als erste Anlaufstelle dient selbstverständlich der App-Store bei Apple-Geräten, der Play-Store bei Android-Smartphones und diverse Suchmaschinen auf dem PC. Die Suche ist unter Umständen etwas mühselig, da zusätzlich Apps in anderen Pflegebereichen angezeigt werden, beispielsweise für Tiere. Daneben sind die Angebote von Pflege- und Krankenkassen hilfreich, wenn auch gleichermaßen nicht so umfangreich.

Beispiel einer Pflege-App: Nui.Care

Nui sieht sich als digitaler Begleiter der pflegenden Angehörigen und unterstützt sie während der gesamten Pflege in unterschiedlichen Bereichen.

Angebote in der App Nui.Care

Angehörige von Pflegebedürftigen können sich über einen Chat Antworten zu Pflegeleistungen holen. Hierfür werden nur ein paar kurze Auskünfte zur momentanen Pflegesituation abgefragt. Anhand dieser Rückmeldungen schätzt Nui ein, welche Leistungen der Pflegende beantragen kann, und erklärt diese knapp. Ein Musterantrag mit Leitfaden zur Antragsstellung im PDF-Format sind jeder Pflegeleistung beigefügt.

Da nicht alle Menschen aus der Pflege kommen und sich mit pflegerelevanten Symptomen auskennen, hat Nui einen Chatbot entwickelt. Zielgerichtete und personalisierte Fragen geben dementsprechend konkrete Informationen zurück. So kann der Pflegeumgang in verschiedenen Bereichen erlernt werden, beispielsweise Grundpflege, Demenz, Bewegung oder Schlaganfall.

Damit ein Angehöriger nicht mit allem allein gelassen wird, kann er in der Nui.Care-App den Pflegealltag mit anderen Helfern organisieren. Es können unbegrenzt viele helfende Personen eingesetzt werden, sodass die Verantwortung für den Einzelnen kleiner ist. Wie bei einem Terminkalender gibt es eine Übersicht, die jeder Beteiligte einsehen kann. Mit der angehängten Kommentarfunktion ist auf einem Blick nicht nur klar, wer welche Aufgaben hat, sondern Unklarheiten können darüber schnell gelöst werden.

Sollte der Chatbot einmal an seine Grenzen kommen und die Videos und Anleitungen bringen ebenfalls nicht den gewünschten Rat, kann der Expertenchat weiterhelfen. Hier sitzen echte Menschen als Experte am anderen Ende und sind für einen persönlichen Austausch da. Zukünftige Funktionen, beispielsweise die Buchung von Alltagshelfern, wenn ein Engpass bei der Pflege eintritt, sollen die Angehörigen auf Dienste aufmerksam machen, die in der momentanen Pflegesituation angemessen sind.

Eine App als Begleitung durch den Pflegealltag

Was kostet Nui.Care?

Der Download der App ist kostenlos, nach einem Probemonat wird anschließend eine Gebühr von 9,99 € (Stand 08.04.2021) monatlich fällig. Diese Kosten entstehen einmalig pro Familie, so dass nur ein Pflegeangehöriger den Beitrag zahlt und alle anderen Helfer Nui.Care kostenfrei nutzen dürfen. Für Berufstätige gibt es die Option, dass der Arbeitgeber eine sogenannte Basisgebühr für jeden Mitarbeiter zahlt, so dass die Pflege-App komplett kostenlos ist. Der Nutzen für den Chef ist eindeutig: Der Arbeitnehmer ist entspannter und leistungsstärker, was auf lange Sicht die Krankheitstage mindert.

Da gleichermaßen die Versicherungen selbst einen Vorteil haben, ist die Möglichkeit gegeben, dass die Krankenkasse des Pflegenden die Monatsbeiträge übernimmt. Diverse Partnerschaften werden hier von den Betreibern der App angestrebt.

Welche Vorteile bietet Nui.Care, welche Nachteile gibt es?

Als klarer Pluspunkt ist der Angebotsumfang zu nennen, den es so gebündelt (derzeit) nicht bei anderen Pflege-Apps gibt. Jedes Angebot für sich ist bereits ein Gewinn für den jeweiligen Pflegenden. Da sämtliche Angehörige die identische App mit dem gleichen Funktionsumfang nutzen, stehen alle auf demselben Level und erhalten übereinstimmende Informationen. Als Bereicherung kann die Vision angesehen werden, die das Unternehmen hat. Sie sehen die App nicht als fertig an, sondern wollen diese weiter ausbauen, damit Menschen, die andere pflegen, leichter mit der Situation umgehen können.

Nachteilig ist der Preis, der monatlich für die App anfällt. Insgesamt betrachtet hält er sich trotzdem im Rahmen.

Als Fazit kann man Nui.Care nur empfehlen, damit alle Informationen in einer App zur Verfügung stehen. Wer beim Preis zusammenzuckt, kann ihn sich mit den anderen teilen, die den Pflegebedürftigen mitversorgen.

Gibt es Alternativen zu Nui.Care?

Als alternative Pflege-App ist „in.kontakt“ zu empfehlen. Hier können sich pflegende Angehörige austauschen und Erfahrungen weitergeben. in.kontakt ist gratis und wird unter anderem vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert.

Ebenfalls kostenlos ist „Elsevier Pflege“, wo Fachbegriffe nachgeschlagen und Pflegepläne erstellt werden können. Für die Planung der Pflegebetreuung stehen unterschiedliche Kalender-Apps zur Verfügung, darunter die kostenlosen Apps „Google Kalender“, „Calendar“ und „Kalender – Aufgabenplan“.

Fotos: pixabay.com und nui.care

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